HomeProjekteThemenPublikationenKontakt
HomeHome

Teller oder Tank? Bei nachhaltiger Biomasse geht es um mehr!

Nachwachsende Rohstoffe können einen wichtigen Beitrag zur globalen Energiesicherheit und Ressourceneffizienz leisten. Da jedoch die Anbauflächen begrenzt sind und Biomasse auch als Nahrungs- und Futtermittel, Chemierohstoff und Energieträger genutzt wird, kann es zu Konkurrenzen in der Nutzung kommen.

Zentrale Fragen sind neben Ernährungssicherheit und Landnutzungsrechten die Auswirkungen des Biomasseanbaus auf Klima, Biodiversität, Böden und Wasser. In diesem Spannungsfeld sind die Potenziale zu erforschen und nachhaltig zu erschließen.

Biomasse in Deutschland

In Deutschland kann Bioenergie (ohne Importe) nachhaltig bis zu 15 Prozent des Primärenergiebedarfs abdecken, wenn parallel die stoffliche Verwertung ansteigt und ein Drittel der Nahrungsmittel aus Ökolandbau stammen. Derzeit wird im Wesentlichen Biogas aus Pflanzen und Gülle zur Stromerzeugung und Holz zur Wärmeproduktion genutzt.

Bei Kraftstoffen dominieren Biodiesel aus Raps sowie Ethanol aus Getreide. Stofflich werden nachwachsende Rohstoffe in Baustoffen, Chemieprodukten, Papier/Pappe und Textilien verwertet. Und wir essen sie – auch indirekt über Futtermittel zur Fleisch- und Milchproduktion.

Biomasse in der EU

In der EU beträgt das nachhaltige Bioenergiepotenzial gut 20 Prozent des Energieverbrauchs. Durch Agrarpolitik, Ertragsentwicklungen und Nachfragetrends ist ein Rückgang der Flächen für Nahrungsmittel zu erwarten, selbst wenn extensive Landwirtschaft und Ökolandbau ansteigen.

Bei steigender Nachfrage und hohen Ölpreisen werden Biomasseimporte aus Osteuropa, Lateinamerika, Südostasien und Afrika attraktiv. Beispiele sind Palmöl aus Indonesien und Ethanol aus brasilianischem Zuckerrohr.

Öko-Institut entwickelt Richtlinien für die Produktion von Biokraftstoffen in Entwicklungsländern

Die Produktion von Biokraftstoffen in Entwicklungsländern birgt viele Vorteile: Sie fördert die Energiesicherheit, die ländliche Entwicklung und den Wohlstand vor Ort. Diesen positiven Effekten stehen potenzielle Konflikte gegenüber – etwa dann, wenn durch den Anbau von Energiepflanzen Anbauflächen für Nahrungsmittel verdrängt oder ökologisch wertvolle Wälder und Moore umgewandelt werden. Die erfolgreiche Umsetzung von Biomasseprojekten in Entwicklungsländern bedarf daher der Beantwortung der Frage, wie sie innovativ, kosteneffizient und nachhaltig gestaltet werden.

Antworten auf diese Fragen zu finden, war Ziel eines Projektes des Öko-Instituts in Kooperation mit dem Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) und dem Copernicus Institut der Universität Utrecht im Vorhaben „Global Assessments and Guidelines for Sustainable Liquid Biofuel Production in Developing Countries“. Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Global Environmental Facility führten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Diskussionen mit Akteuren und Experten aus Entwicklungsländern. Sie erörterten unter anderem, wie die Berechnung der Treibhausgasbilanz von Biokraftstoffen für alle Akteure machbar und nachvollziehbar sein kann. Dafür entwickelten sie Werkzeuge, mit dem Lebenswege von Biokraftstoffen und die jeweiligen CO2-Bilanzen kalkuliert werden können. Dies schafft Transparenz und vergleichbare Ergebnisse für alle Beteiligten und kann Grundlage für weitere Entscheidungen sein. Außerdem entwickelten die Experten ein „Ampelsystem“, mit dem umweltbezogene und sozialspezifische Herausforderungen beurteilt werden können.

Verschiedene Organisationen der Vereinten Nationen – Umweltprogramm (UNEP), Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) – förderten das Projekt finanziell.

Bioenergie? Ja, aber richtig!

Zahlreiche Ergebnisse unserer Arbeit sind in ein Projektportfolio der Global Environment Facility (GEF) eingeflossen, um Biokraftstoffprojekte zu unterstützen, die den Herausforderungen des Klimawandels gewachsen sind und die den Aspekt der Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern gewährleisten.

Das Öko-Institut verfolgt zwei Ziele in der künftigen Biomassedebatte:

Nachhaltige Biomasse für alle Sektoren: Die erreichten Nachhaltigkeitsanforderungen für Bioenergie können im Vergleich zur „herkömmlichen“ Landwirtschaft eine Vorreiterrolle übernehmen. Deshalb sollten diese Anforderungen auch in den anderen Biomassesektoren (Nahrung, Futter, Industrierohstoffe) umgesetzt werden.

Langzeitstrategie für Biomasse: Die Kernformel einer langfristigen Strategie zur nachhaltigen Biomasse ist, nachwachsende Rohstoffe primär stofflich zu nutzen, um nicht-erneuerbare Ressourcen wie Erdöl zu ersetzen. Dabei werden angepasste Kulturen auf Flächen angebaut, die nicht in Konkurrenz zu Lebens- und Futtermitteln stehen. Statt Biomasse anzubauen, um sie, wie heute üblich, direkt in Bioenergie umzuwandeln, werden künftig nur Abfall- und Restbiomasse energetisch genutzt. So entsteht künftig eine Nutzungskaskade, die Konkurrenzen vermeidet.